HARBURGER SCHÜTZENGILDE VON 1528 e.V.

Stellungnahme der Harburger Schützengilde zur Situation auf dem Schwarzenberg

Die Harburger Schützengilde von 1528 e. V. hat sich bislang weitgehend aus der öffentlichen Diskussion um das Abrigado herausgehalten. Die zunehmende Verschärfung der Situation und ihre konkreten Auswirkungen auf unser Grundstück und unsere gastronomische Fläche veranlassen uns nun, unsere Erfahrungen zu schildern.

Vorweg ist uns wichtig: Wir stellen die Notwendigkeit und Bedeutung der Suchthilfe nicht infrage. Unser Ziel ist eine verträgliche Lösung, die sowohl den Bedürfnissen suchtkranker Menschen als auch den berechtigten Interessen der Nachbarschaft gerecht wird.

Unsere Erfahrungen haben sich im Laufe der Jahre deutlich verändert. Während früher ein Austausch mit dem Abrigado möglich war, erleben wir die Situation inzwischen als zunehmend belastend. Auch die unmittelbaren Begegnungen im Umfeld unseres Grundstücks haben sich verändert. Während sich die früheren Methadon-Konsumenten nach unserer Wahrnehmung eher zurückgezogen und unauffällig verhalten haben, begegnen uns heute vermehrt Menschen, die offenbar unter Drogeneinfluss stehen und dabei verwirrt, stark unruhig oder gelegentlich auch aggressiv auftreten. Solche Begegnungen gehören inzwischen zu unserem Alltag und tragen dazu bei, dass sich Mitglieder und Besucher auf unserem Gelände zunehmend verunsichert fühlen.

Auf unserem Privatgrundstück finden wir wiederholt benutzte Spritzen und Kanülen, Zelte, Matratzen, Decken, menschliche Exkremente und weitere Hinterlassenschaften. Auch Gegenstände, bei denen es sich möglicherweise um Diebesgut handelt, haben wir entdeckt und entsprechende Funde dokumentiert und zur Anzeige gebracht.

Die Verunreinigungen haben inzwischen auch unmittelbare Folgen für die Nutzung und Pflege unseres Grundstücks. Bei Arbeitseinsätzen sind Sicherheitsschuhe, lange Hosen und besondere Vorsicht unerlässlich, da wir auf dem gesamten Gelände immer wieder benutzte Spritzen und Kanülen finden, auch versteckt in Laubhaufen und Gebüschen. Selbst alltägliche Arbeiten wie das Zusammenharken von Laub bergen dadurch ein Verletzungsrisiko. Besonders bedenklich ist, dass auch Kinder unserer Vereinsmitglieder das Gelände nicht mehr unbeschwert zum Spielen nutzen können. Es besteht stets die Sorge, dass sie beim Spielen auf eine gebrauchte Spritze treten oder sich an einer Kanüle verletzen könnten. Ein solches Risiko darf auf dem eigenen Vereinsgelände nicht zum Alltag gehören.

Die Entwicklung hat inzwischen auch konkrete wirtschaftliche Folgen. Unser bisheriger Gastronomiepächter hat seine Verlängerungsoption nicht wahrgenommen und das Objekt zum 1. Oktober verlassen. Als Gründe nannte er unter anderem Umsatzeinbußen und die Verunsicherung seiner Gäste. Auch mehrere potenzielle Nachfolger haben sich nach erneuten Medienberichten über Schusswaffenvorfälle zurückgezogen, obwohl die Gespräche teilweise bereits weit fortgeschritten waren. Sie äußerten Sicherheitsbedenken und Zweifel daran, ob Gäste den Standort künftig annehmen würden.

Mit Sorge sehen wir deshalb auch die Pläne, das Abrigado in unmittelbarer Nähe weiterer sensibler Nutzungen anzusiedeln. Der Schwarzenberg ist eine Naherholungsfläche inmitten von Wohngebieten, mit Schulen, der Technischen Universität, einer Kindertagesstätte, Gastronomie und unserem Vereinsgelände. Eine neue Einrichtung in nur rund 250 Metern Luftlinie Entfernung würde diese Nachbarschaft erneut unmittelbar betreffen. Wir sind überzeugt, dass Suchthilfe und der Schutz des Umfelds kein Widerspruch sein müssen. Da bereits alternative Standorte öffentlich diskutiert werden, die größere Abstände zu Wohngebieten, Schulen, Kindertagesstätten, Naherholungsflächen und Gastronomie ermöglichen, sollte ernsthaft geprüft werden, ob sich dort eine für alle Beteiligten verträglichere Lösung verwirklichen lässt.

Wir wünschen uns einen konstruktiven Dialog und eine Standortentscheidung, die sowohl den Menschen, die auf Suchthilfe angewiesen sind, als auch den Anwohnern, Gewerbetreibenden und Vereinen gerecht wird. Harburg, 13.10.2026 Die Deputation der Harburger Schützengilde v. 1528 e.V.